Wie ist die Cloud in Deutschland angekommen?

 Immer mehr Unternehmen nutzen Cloud-Computing. Doch beim Thema Sicherheit sind gerade deutsche Firmen oft noch skeptisch. Haben sie Recht oder fehlt es ihnen nur an Informationen und fachgerechter Beratung? Eine Bestandsaufnahme.

Vor wenigen Jahren von den meisten Unternehmen noch argwöhnisch beäugt, gehören Cloud-Services heute bereits bei 40 Prozent der deutschen Firmen zum Standardrepertoire. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um drei, zu 2012 sogar um zwölf Prozentpunkte. Zu diesem Ergebnis kommt der Cloud Monitor 2014, eine repräsentative Umfrage unter 403 Unternehmen, die Ende letzten Jahres im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG sowie dem Hightech-Verband BITKOM durchgeführt wurde. Die Studie macht deutlich: Der Trend zum Cloud-Computing ist ungebrochen.

„Die Cloud ist mittlerweile in Unternehmen jeder Größenordnung angekommen“, sagt  Patrick Quellmalz, Programmmanager bei VOICE, dem Verband der IT-Anwender. „Allerdings gibt es am deutschen Markt nach wie vor klare Unterschiede zwischen Start-Ups, großen Konzernen und dem Mittelstand.“

Der Mittelstand braucht Zeit

Während Start-Ups von vorneherein auf Cloud-Lösungen setzen würden, um flexibel zu bleiben und die Fixkosten so gering wie möglich zu halten, und große Konzerne mit eigener IT-Abteilung und internationalen Standorten ebenfalls von der Cloud profitieren, tue sich vor allem der Mittelstand noch schwer, IT-Strukturen auszulagern. Zum einen spielen Sicherheitsbedenken eine erhebliche Rolle, zum anderen bedarf es in mittelständischen Unternehmen häufig Zeit und personeller Ressourcen, um eingespielte Systeme zu verändern, berichtet Patrick Quellmalz.

Immerhin 37 Prozent der Betriebe mit 20 bis 99 Mitarbeitern zählen laut Cloud-Monitor zu den Nutzern der Wolke. Im Gegensatz zu den Firmen mit über 2.000 Angestellten ist das jedoch eine geringe Anzahl. Hier setzen bereits 70 Prozent auf entsprechende Services.

Genutzt wird vor allem die Private Cloud (36 Prozent). Unternehmen beziehen darüber mit 38 Prozent am häufigsten Software as a Service (SaaS). An zweiter Stelle folgen Infrastrukturdienstleistungen (IaaS), die nahezu jedes vierte Unternehmen in Anspruch nimmt (24 Prozent). Im Vordergrund stehen hierbei die bessere Skalierbarkeit der IT-Leistungen und die damit einhergehende Flexibilität.

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Sicherheitslösungen made in Germany

Zwar spielt die Public Cloud für Unternehmen noch immer eine relativ kleine Rolle, das Interesse jedoch wächst beständig. So stieg die Nutzung 2014 von 10 auf 15 Prozent.

„Gegenüber der Public Cloud gibt es nach wie vor Bedenken wegen der Sicherheit“, erklärt Programmmanager Quellmalz. „Die uneinheitliche Gesetzeslage in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt lässt die Firmen im Unklaren. Viele bestehende Gesetze sind für interne IT-Strukturen gemacht worden und können nicht einfach auf die Cloud übertragen werden. Die Unternehmen wünschen sich angepasste Sicherheitslösungen made in Germany.“

Laut einer im Dezember 2013 erstellten Studie des Beratungshauses Research In Action im Auftrag von Compuware trauen beispielsweise über Dreiviertel der CIOs den standardisierten Service-Level-Agreements (SLAs) der Provider nicht. Befragt wurden hierzu 740 IT-Führungskräfte großer Unternehmen in einer Vielzahl von Branchen in Nord- und Südamerika, Asien und Europa, davon 103 aus Deutschland.