Deutsche Telekom vs. Deutsche Post: Das Gerangel um den Online-Brief

Wer macht das Rennen? Im Kampf um den Online-Brief tritt die Deutsche Post mit dem „E-Post-Brief“ gegen die Deutsche Telekom und United Internet an und sorgt damit für einen wahren Wettstreit der Konkurrenten.

Bonn, Post-Tower, 29. Etage. Hier sitzt der CIO und Brief-Bereichsvorstand der Deutschen Post Johannes Helbig und erklärt bis ins Detail die Vorzüge der elektronischen Kommunikation, des “E-Post-Briefs”. Warum tut er das? E-Mails gibt es ja nun schon länger. Warum versucht ein CIO, das Kerngeschäft seines Unternehmens in einen Bereich auszudehnen, in dem große Mitbewerber den Markt bestimmen?
Die erste Antwort ist einfach: Die Deutschen greifen kaum noch zu Papier, und – besonders ärgerlich für die Post – sie kleben auch keine Briefmarken mehr auf Umschläge. Der Umsatz der Briefsparte ist im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent auf 13,7 Milliarden Euro gesunken, der Gewinn sogar um mehr als ein Drittel. Für dieses Jahr rechnet die Post mit einem zusätzlichen Minus von zehn bis 20 Prozent. Doch jetzt – endlich – will sie etwas gegen den Abwärtstrend tun und den E-Mail-Providern Kunden abjagen.
Die Deutsche Post sei nämlich der ideale Kandidat, um die Vorteile des klassischen, physischen Briefs ins Internet-Zeitalter zu transformieren, sagt CIO Helbig: “Wenn Sie heute einen normalen Brief schreiben, verlassen Sie sich auf drei Dinge: Ein Brief ist verbindlich, weil Absender und Empfänger mit ihrem richtigen Namen identifiziert sind. Ein Brief ist vertraulich, das ist das Briefgeheimnis. Es kann kein Dritter mitlesen oder gar die Inhalte verändern. Und ein Brief ist verlässlich. Im Zweifel muss der Empfänger den Beweis antreten, dass er ihn nicht erhalten hat.” All diese Eigenschaften habe eine E-Mail nicht, zumindest bisher. Doch das will Helbig jetzt ändern. Mit dem neuen Produkt, das “Verbindlichkeit, Vertraulichkeit und Verlässlichkeit” garantiere, will die Deutsche Post den Briefmarkt revolutionieren.
Es solle “eingebettet werden in das vorhandene Produkt”. Und wer (noch) nicht online ist, für den druckt die Post den Online-Brief aus, kuvertiert ihn und stellt ihn ganz normal per Briefträger zu. Die Post ist besonders stolz auf diese Hybrid-Variante. “Wir erweitern den physischen Brief und den postalischen Versorgungsraum in die digitale Welt”, sagt Helbig. Denn: “Letztlich ist der Online-Brief immer noch ein Brief. Die Frage, welches Medium er hat, ist sekundär.”*

*Quelle: http://www.cio.de/strategien/projekte/2235775/index.html?r=258625267359062&lid=85273

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